1. Laßt uns lernen, das Heilige der anderen zu sehen.
2. Der Wert einer Religion wird sich daran zeigen, was sie für die Zukunft der Menschheit zu tun hat.
3. Räum deinen Kalender auf und mach mehr Zeit für die Begegnung mit den Schwestern des anderen Glaubens.
Diese Sätze gab die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter am Samstag den Besuchern des Kirchentags mit. Zuvor hatte sie gemeinsam mit der Islamwissenschaftlerin und Muslima Rabeya Müller Gemeinsamkeiten in den jeweiligen Gottesbildern betont und sich bewusst von christlichen Klischees, aber auch von biblischen Aussagen distanziert:
Ich glaube nicht, daß Gott ein alter Mann mit Bart ist, nicht an das Bild eines Herren und Herrschergottes, aus dem die Machtinteressen der Männer sich ableiten – auch in der Kirche – und der in den Köpfen so hartnäckig wohnt.
Die Bibel sagt: „Du sollst Dir kein Bildnis machen.“
Ich glaube nicht an einen Gott, der mir Angst macht, der mich zwingt, der mich belohnt und bestraft.
Ich glaube nicht an einen Gott der Gewalt gutheißt – vom Schlafzimmer bis zu Atomraketen. Wir müssen Gott aus den Bildern der Macht herausschälen, weil wir ihn darin eingewickelt haben. – Hervorhebungen durch mich
Bischöfin Wartenberg-Potter meint also, dass Gott nur als Herrscher gesehen wird, weil (wir) Männer dadurch unsere (männlichen) Machtinteressen ableiten. Zunächst einmal ist dies eine ziemlich geschlechtsrassistische Aussage, denn Frauen sind als Menschen ebenso gefährdet sich in der Falle von Macht und Herrschaft zu verstricken. Weiterhin sollte Frau Wartenberg-Potter mal einen Blick in die Bibel werfen:
Judasbrief 3,4 Ich sage das, weil einige gottlose Leute sich bei euch eingeschlichen haben und behaupten, wir könnten die Vergebung Gottes dazu missbrauchen, ein zügelloses Leben zu führen. Das Schicksal solcher Menschen ist längst besiegelt, denn sie haben sich gegen unseren einzigen Herrn und Herrscher, Jesus Christus, gewandt.
– Ich habe diesen Vers nicht als Gerichtsdrohung ausgewählt, sondern nur um zu zeigen, dass Gott laut Bibel eben der Herrscher ist.
Als Theologin kennt Wartenberg-Potter diese Stellen natürlich zu genau. Sie unterstützt die „Bibel in gerechter Sprache“, die die Bibel geschlechtergerecht, judengerecht und natürlich modern übersetzt.
Dort wird Gott mit Weiblichkeit überhäuft und “männliche” Attribute wie “Herrschaft” etc. werden zurückgedrängt.
Zurück zu den 3 Sätzen, die Wartenberg-Potter den Gläubigen mitgeben möchte:
1. Laßt uns lernen, das Heilige der anderen zu sehen.
2. Der Wert einer Religion wird sich daran zeigen, was sie für die Zukunft der Menschheit zu tun hat.
3. Räum deinen Kalender auf und mach mehr Zeit für die Begegnung mit den Schwestern des anderen Glaubens.
Mein Kommentar:
1. Als Christ können mir andere Religionen nicht heilig sein.
2. Menschlich gesehen hat sie recht. Aber vor Gott zählt nicht die Religion, sondern der Glaube an Jesus. Religiösität ohne die Vergebung unsere Schuld duchr Jesu Kreuzestod ist vor Gott wertlos. Ich toleriere andere Religionen, wollte ich sie aber heilig nennen, so müsste ich meinen eigenen Glauben verleugnen. Offenbar reicht heute Toleranz nicht mehr aus. Wartenberg-Potter arbeitet mit derartigen Aussagen an der Gleichmacherei der Religionen
3. Das ist ein sehr guter Ansatz. Aber wieso sollte ich mich nur mit Schwestern treffen? Gerade bei Muslimas wäre da Ärger vorprogrammiert…
Will die Bischöfin also letztlich, dass ich und viele andere Christen unseren Glauben aufgeben sollen? Das geht aus diesem Text leider nicht hervor – hier muss sich jeder ein eigenes Bild machen. Nicht vorenthalten will ich hierbei, dass Wartenberg-Potter offenbar kein Problem mit Religionsvermischung hat:
Unmut bei konservativen Christen hatte jüngst ein Buch von Wartenberg-Potter erregt, in dem sie von einer altägyptischen Göttinnenstatue namens Selket an ihrer Haustür berichtete, aus der sie jeden Morgen Kraft schöpfe
Ich frage mich, wie Wartenberg-Potter überhaupt noch Bischöfin sein kann. Meiner Meinung nach sollte sie zurücktreten. Auf jeden Fall hat sie auf der Kirchentagsbühne nichts verloren und nicht versuchen Christen irgendwelche Ratschläge zu geben…
Bis denne,
Hepe
PS: Es ist spät und ich hoffe, dass meine Ausführungen noch halbwegs nachvollziehbar sind…
PPS: Feedback und Meinungen sind erwünscht.
Quellen:
http://www.kirche-mv.de/Kirchentag-13.10642.0.html
http://bibel-wissen.de/pn62/index.php?name=News&file=article&sid=138
http://www.bibleserver.com
http://www.welt.de/print-welt/article534497/Unruhe_vor_Luebecker_Bischofswahl.html